Verbieg Dich nicht beim Sprechen! 2 Supertipps, wie Du echt vor anderen redest.

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“Ich habE Ihnen am Beginn des Jahres etwas versprochen. Und ich nehmE Sie ernst.”

Videoaussendungs-Zitat Andrea, 42 Jahre alt

“Es macht mir sehr viel Spaß, weil ich diese Aktivität mit meiner Freundin ausführe.”

Präsentationszitat Bettina, 12 Jahre alt

“Anschliessend wird das Gewinnspiel geschlossen.”

Auftrittszitat Martin, 53 Jahre alt

 

Alle obigen Zitate mögen auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich oder daneben erscheinen. Die meisten von euch werden sich denken, “… ja alles eh ganz normal.” Eben das ist das Problem. Alle obigen Sätze sind NICHT in der natürlichen Sprache der jeweiligen Person, auch wenn es für andere durchaus normal klingt. Normal ist aber nicht immer authentisch. Denn leider sind wir das Verbiegen beim Sprechen längst gewohnt.

Hier gebe ich Dir heute 2 tolle Tipps mit, wie Du echt und natürlich in Deiner Sprache bleibst, denn nur die ist – on the long run – der Schlüssel zu Deiner Erfolgspräsentation.

 

TIPP NUMMER 1 “Nicht ins Hochdeutsch verfallen”

“Ich habE Ihnen am Beginn des Jahres etwas versprochen. Und ich nehmE Sie ernst.” 

Was da nicht stimmt, ist – zugegeben – auf den ersten Blick nicht erkennbar. Genauer gesagt, ist dieser Satz geschrieben absolut in Ordnung, gesprochen dafür nicht. Gehört hab ich das allerdings erst, als meine Coachingkundin und ich mehrmals live ihre Präsentation durchgeübt haben und ich sie laut mit Stimme vor mir sprechen hörte. Nach 3 Sekunden war klar, das klingt nicht nach ihr, irgendwas passt nicht.

Beim Plaudern mit Andrea kam heraus, dass sie nie “Ich habE …” sagt, sondern immer “Ich hab und ich nehm und ich sprech …”. Dieses kleine Detail, dieses “E” das sie am Ende manchen Verben hinzugefügt hatte, weil sie dachte, es klingt schöner und wäre korrekter, hat ihre natürliche Sprachwirkung komplett gestört. Andrea hörte sich unnatürlich an, weil sie ins Hochdeutsch verfallen ist.

Bitte nicht! Hochdeutsch lässt uns nicht wirken, im Gegenteil, es klingt oft sperrig, wenn der Redner selbst nicht so spricht und sich plötzlich für einen Auftritt oder eine Videoaufnahme verbiegt.

TIPP NUMMER 2 “Keine Paragraphensprache”

“Anschliessend wird das Gewinnspiel geschlossen.”

Der Tonfall zu diesem Satz war hart und stockend. Der Gesichtsausdruck ernst. Zur Aufklärung: Martin war Moderator seines eigens veranstalteten Events in der Musikschule, in der er als Lehrer arbeitet. Das Publikum: Schüler, Lehrer, Eltern.  Übertragen wurde im Livestream, die Kinder der Schule haben gesunden und Instrumente gespielt. Alles also ein Grund zur Freude!

Die Info, dass das Gewinnspiel geschlossen wird, klang im Video als wär die Gerichtsverhandlung jetzt geschlossen. Die finstere Miene deutete auch auf etwas eher Unerfreuliches hin, das jetzt endlich vorbei ist, als auf ein tolles Gewinnspiel, das Leichtigkeit und Freude versprüht.

ACHTUNG: sprichst Du so auch “im echten Leben?”. Also erzählst Du Deiner besten Freundin auch, dass – das – Gewinnspiel – jetzt – geschlossen – ist?! Ich denke nicht. Etwas à la “Bis 20 Uhr ist das Gewinnspiel noch offen, dann ist’s vorbei, also eine Stunde geht es noch…” 

 

“Es macht mir sehr viel Spaß, weil ich diese Aktivität mit meiner Freundin ausführe.”

Same here. Aus dem Mund einer 12 Jährigen kommt, dass sie “diese Aktivität mit ihrer Freundin ausführe”, weil es ihr Spass macht. Die Rede ist hier im Übrigen von Fahrrad fahren. Wir führen hier nichts aus, wir fahren einfach Rad. Und so müssen wir das auch sagen, sonst sieht uns unser Gegenüber an wie ein Autobus. Bei der besten Teenager Freundin ist das nicht so schlimm, später im Job fahren viele damit ein. Denn immer dann, wenn wir beispielsweise etwas verkaufen, ist die “Fassaden-Sprache”, die Du Dir in Deiner Rolle zurechtgelegt hast, weil andere sagen, das gehört halt so, nicht förderlich. Sie ist ein Trenner zu Deinem Publikum.

Das Missverständnis liegt hier oft bei: “Je komplizierter ich mich ausdrücke, umso gescheiter wirke ich.” NOPE!
Sperrige Sprache macht Dich a) unnahbar für Dein Gegenüber und schafft b) kein Vertrauen zu Deinem Gegenüber, weil Du Dich c) verstellst und das d) die anderen merken.

 

Mein Aufruf daher: Red bitte normal! Geh zurück zu Deiner natürlichen Sprache, gerade im Business-Kontext. Wer aufgesetzt wirkt, weil er sich beim Sprechen verbiegt, geht weg von sich, steht nicht hinter sich. So lernst Du nie die Karten Deiner tollen Persönlichkeit so auszuspielen, dass die anderen Dein echtes “Sprech-Ich” liebgewinnen und wertschätzen können. Außerdem ist es auf Dauer total anstrengend, sich vor jeder Präsentation überlegen zu müssen, wie ich das und jenes wieder formulieren soll. Mein Tipp: ganz normal 😉

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6 Responses
  1. Markus Friesenecker

    Was ist dein Tipp, um sich dem bewusst zu hören? Sollte man sich selbst einmal aufnehmen und dann das ganze anhören? Vermutlich erkennt man erst dann wie man spricht, oder?

    1. Super, ja zum Beispiel. Noch wichtiger ist aber die Frage, würd ich das meinem besten Freund auch so sagen, wie ich das eben gerade im Video sage? Wir merken dann schnell, dass wir komplett anders reden, sobald eine Kamera vor uns ist oder wir eben vor anderen stehen.

  2. Hey Cathy, danke für diesen super Tipp, ich bin aus Oberösterreich und da ist es schon sehr schwierig Hochdeutsch zu sprechen, zumal wir das gar nicht so gelernt und praktiziert haben. Ich fühle mich auch Authentischer wenn ich gemischt ( ein bisschen Dialekt und ein bisschen normales Hochdeutsch) sprechen kann. Gerade bei meiner Arbeit ist es sehr von Vorteil und extrem wichtig authentisch zu SEIN.
    Vielen Dank für dein SEIN!!! 😍🥰

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