Das machen alle so!

SO muss man ein Bewerbungsschreiben verfassen, damit es aussagekräftig ist. SO muss man sprechen, wenn man zum Fernsehen will, und SO darf man das auf gar keinen Fall machen, weil das macht man halt nicht.

Ich habe unzählige gutgemeinte Raschläge in meinem mittlerweile 15 jährigen Moderatorinnen-Dasein gehört und erhalten. Was für mich passte, habe ich dankbar übernommen, den Rest registriert und beiseite geschoben. Nicht weil ich dachte, ich sei unverbesserlich, sondern, weil ich immer versucht habe, ICH zu bleiben. In der Moderation, in der Präsentation, in der Kommunikation. Und sich selbst zu finden dauert ganz schön lang. Doch darum geht es. Authentizität ist der Schlüssel zum Erfolg. Das ist freilich nichts Neues und mag abgedroschen klingen, trotzdem vermisst man die Echtheit im Menschen heutzutage teilweise sehr.

Ich bin eine große Gegnerin der „SchubladenDenke„, und ich mag es nicht, Regeln über Menschen zu stellen. Denn wenn man SO sprechen muss, um zum Fernsehen zu kommen, sprechen womöglich viele so. Und wenn viele so sprechen, ist das alles irgendwann eine eintönige „SOSOSOSuppe“ und die Entscheidungsträger, die Sie ja eigentlich beeindrucken wollen, schlafen ein.  Aus Angst einmal etwas anders zu machen, machen Sie es lieber so wie alle anderen? Nicht gut. Und oftmals wenig effektiv.

ORF NÖ

ALLES EINS

Ich habe ein Ereignis von meiner Zeit beim ORF im Kopf, das ziemlich gut widerspiegelt, was ich Ihnen zu sagen versuche.
Vor dem Studio, in dem Texte und Berichte für die täglichen Live-Radio- und Fernsehsendungen gelesen und aufgenommen wurden, lag eines Tages ein Zettel auf dem Boden. Einer der Redakteure hatte ihn nach getaner Sprachaufnahme wohl verloren. Ausgerechnet die damalige Chefredakteurin kreuzt des Zettels Weg, hebt ihn auf und liest. Vor versammelter Mannschaft fragte sie, wer denn diesen Text geschrieben habe. Sie könne es nicht sagen. Es wäre so geschrieben, dass viele in Frage kämen. Sie könne nichtseigenes“ an dem Bericht erkennen oder ihn einer Person des Hauses zuordnen.

Zugegeben, es gab eine Zeit, da war es hip, alle gleich klingen zu lassen. Bloß keine Rausreißer, die hervorstechen.  Atmen sollten sie auch möglichst nicht, sondern einfach dastehen und sprechen. Bis auf einige Ausnahmen, die es immer geben wird, hat sich das aber gründlich geändert. Man darf und soll man selbst sein. Wie kann man etwas präsentieren – egal ob im Fernsehen, Radio oder auf der Bühne – wenn man nicht aus dem Inneren heraus IST. Das nimmt einem auf Dauer keiner ab.

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DO!

1.)    SIE sein

Die Menschen sind nicht dumm und spüren, ob Sie echt sind oder nicht. Ihre Authentizität geht flöten und damit auch die gewünschte Glaubwürdigkeit. Einem/r professionellen, charmanten und authentischen Moderator/-in verzeiht man so gut wie alles, selbst wenn er/sie Fehler macht.

2.)   Fehler machen 

Für mich war zu Beginn meiner Laufbahn alleine der Gedanke daran mich auf Sendung zu versprechen, der größte Horror. Bis ich draufgekommen bin, dass einen dafür eh keiner tötet. Jeder macht Fehler. Egal in welchem Beruf. Klar geht der Lachanfall im Büro anonymer über die Bühne, als im Radio. Aber auch Sie würden beim Zuhören eines solchen vermutlich mitschmunzeln anstatt den Moderator zu verurteilen.

3.)   VorbereitungsHero sein

Leider Gottes sehe ich immer wieder Moderatoren/-innen, die auf der Bühne stehen und ausschließlich von ihren Moderationskarten ablesen. Sorry, aber das hat nichts mit moderieren zu tun. Da kann sich auch der Geschäftsführer der jeweiligen Firma hinstellen und dasselbe tun. Ein Moderator wird dafür bezahlt, dass er die Veranstaltung „schupft“ und sich mit dem Thema beschäftigt. Egal ob Wirtschaftstalk oder Fashionweek. Auf meine erste Event-Moderation vor ca 14 Jahren habe ich mich vor lauter Panik, etwas zu vergessen, zwei Wochen vorbereitet. 

Kein Meister fällt vom Himmel

Ich erinnere mich an meinen Anfang als Wettermoderatorin bei ATV. Ich habe mich eine Stunde lang im Klo eingesperrt, weil ich dort meine Ruhe hatte, um den Text auswendig zu lernen. Das war anfangs die für mich beste Methode zu funktionieren. Umso vorbereiteter ich war, je sicherer konnte ich auf Sendung „spielen“, also improvisieren. Mit der Zeit hab ich mir den Text bereits gemerkt, während ich ihn schrieb. Improvisation hilft ungemein, ist meiner Meinung nach extrem wichtig und kommt erst mit der Routine. Mir könnte heute wahrscheinlich fast jede Situation passieren. Ich wüsste damit umzugehen.

Generell also finde ich sollte jeder so individuell, einzigartig und kreativ vorgehen, wie er es eben möchte und passend findet. Lieber einmal eine Rüge einkassieren, weil irgendetwas „too much“ war, als ein Leben lang leise dahindümpeln und sich später einmal vorwerfen „Ach hätt ich nur…“.

Obwohl ich starre Benimmregeln also nicht sonderlich verehre, gibt es dennoch ein paar Punkte, die man in der Präsentation ruhig vermeiden darf.

DONT DO!

1.) Hudeln

Als ich bei Radio Energy 104,2 als Moderatorin anfing, stand mir vor jeder Sendung die ersten Wochen der Angstschweiß auf der Stirn. Das ist durchaus normal. Noch dazu weil man im Radio nicht nur sprechen, sondern gleichzeitig auch die Technik „fahren“ muss. Wenn man sich unbehaglich fühlt, will man weg. Ist man unsicher, will man’s schnell hinter sich bringen. Und so kam es, dass ich in meinen Moderationen ein Tempo vorlag, das unnatürlich war. Ich habe so schnell gesprochen, ohne Luft zu holen, dass ich völlig außer Atem war. Ich hatte das Gefühl, schnell fertig werden zu müssen, weil dem Hörer ja sonst fad wird, wenn er nur hört und nichts sieht (man merkt, ich kam vom Fernsehen). Natürlich Schwachsinn.

Es ging aber noch schlimmer: das durchreden ohne Luft holen bewirkte zusätzlich eine Piepsstimme. Meine Stimme wurde immer höher. Sie können sich vorstellen, wie es mir ging, als ich mich das erste Mal selbst moderieren hörte. Hier gilt: das eigene, natürliche Tempo aus dem Alltag beibehalten.

2.) Stimme verzerren

Stimme erzeugt Stimmung und berührt Zuseher, Zuhörer und Live-Publikum in welcher Art auch immer. Ich habe mir ein paar Übungen angewöhnt, die ziemlich dämlich aussehen, aber die Gesichtsmuskulatur und den Mundbereich lockern. 

3.) Rolle spielen 

Auch wenn es gerade Medienleute sind, die gerne von „Rollen, die man zu spielen hat“ sprechen. Wir sind nicht im Theater. Ab und zu werden Schauspieler als Moderatoren für einen Event engagiert. Und immer wieder sind Kunden nicht so glücklich mit dem Ergebnis. Schauspieler tragen vor, Moderatoren (sollten) erzählen. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Dutch Design NightGenerell gilt, was auch immer Sie tun, tun Sie es aus tiefster Überzeugung. Weil sie es tun wollen und weil sie sich wohl damit fühlen. Wenn Sie sich mit einer lustigen Einleitung zu einem Thema gut fühlen, anstatt 0815 zu beginnen, belassen Sie es dabei, auch wenn jemand anderer meint, man könne die Präsentation so doch nicht anfangen. Versuchen Sie’s, wenn Sie sich damit identifizieren können. Was kann schon passieren?

Ist man authentisch in seinem Tun und Sprechen, werden das einige Leute mögen und andere nicht. Allen wird nie alles gefallen. Das ist auch nicht erstrebenswert.

Ein Tipp zum Abschluss, der Gold wert ist und mir auch heute noch hilft: Moderieren Sie so, als würden Sie es Ihrer besten Freundin, Ihrem besten Freund erzählen. Klingt so einfach und ist es so oft nicht. Verfallen Sie nicht in eine „gspreizte“ Sprache, nur weil sie plötzlich eine Kamera vor dem Gesicht haben oder auf einer Bühne stehen. Wir glauben dann oft, plötzlich alles anders machen zu müssen. Umso natürlicher und selbstverständlicher Sprache und Bewegung sind, je authentischer sind wir. Dann „menschelt’s“, und es schließt sich der Kreis.

 

Fotos Martin Hesz / ORF NÖ / Findmyhome.at / Mother Agency / Mq Vienna Fashion Week

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